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Morgen, wenn sie wiederkommen

für die 'Asylantenkinder ',
(ihre Augen, wenn man sie abschiebt),
für ihre Lehrer
und für einen Teddybären

 
 
Versuch es, erkläre ihnen

diese Wurmjahre, in Duckstellung verbracht
vor den alltäglichen Bomben, die

(was von beidem ist schlimmer ?)

den Bären zerfetzen
oder das Vertrauen in die Welt,

das - wie eigentlich ? - übrig blieb :

jetzt wird der Rest
dieses Vertrauens
ordentlich säuberlich
weggeätzt

mit Worten auf Papier
( noch
verstehen die Kinder
diese Worte nicht (?) ),

wird weggemacht

mit diesen ganz humanen
Stempeln,
das

schenkt ihnen irgendwer
zum Geburtstag, irgendwer
sagt,

daß sie verzichtbar sind,
diese kleinen großen Augen,
wer

drückt sie zurück
in die Ruinen
der Erwachsenen, vielleicht

damit sie frühmöglichst sehen,
was sie sind : sind
menschlicher Überhang,
nirgends gebraucht,

so

lernen sie säuberlich spielen
mit Zerbrechendem, lernen
spielen

mit dem Tod, so

werden ihre Augen
ausgepackt
für ein besseres Morgen.

Für ein besseres Morgen ?

Aber vielleicht
erinnern sie sich dann
auch an andere Geschenke :

da war dieses Lächeln,
bei dem sie spürten :
' Das ist innen, nicht wieder nur außen,
nicht wieder nur gelogen,

das meint wirklich
mich. ' ,

und

da waren ein paar Worte, kurz vor
diesem blickeringenden Verstummen
beim Versuch, zu erklären,

da war dieses Lächeln,
das verrutschte,

da waren diese
unordentlichen Tränen,
diese leuchtenden Tränen :

da war so viel,
das jetzt (und dann)
zu ihnen redet,

zu ihnen reden wird
in deinem Gesicht,

zu ihnen reden wird

in deinem Gesicht.

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Sah Umrisse wie von Kindern in der Nacht

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Smileys machen Licht

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Das Gedicht und diese Seite wurden inspiriert vom 'Mail des Monats' Teil 7 im Projekt 'Café Klatsch'. Ein Text aus der Sicht einer Grundschullehrerin voll Trauer und Wut über die Abschiebung von durch Krieg ohnehin traumatisierten Kindern, (damals: die Kriege in Bosnien und im Kosovo). Kleine sechs-achtjährige Kinder, die gerade angefangen hatten, dem Leben wieder ein bißchen zu vertrauen, Freunde zu finden, das Lachen wiederzufinden, auch durch die engagierte Hilfe ihrer Lehrerin, die sich nicht damit begnügen wollte, diese Kinder (die größtenteils kein Deutsch sprachen) einfach nur eine Weile zu 'verwahren'.

Dann mußten sie wieder zurück, noch bevor der Wiederaufbau weit genug war.

Am Kosovokrieg beteiligte sich auch Deutschland. Schießen kann man also, 'aus humanitären Gründen'. Dafür ist Geld da, oder 2008/2009 Milliarden um Milliarden für die Rettung unfähiger und verantwortungsloser Banken, die durch ihre Zockergier eine Wirtschaftskrise ausgelöst haben.

Was aber mit 'Asylantenkindern' passiert ---
das ist egal.

Die Website existiert leider nicht mehr.

 

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Linkliste
zum Thema Asyl, Abschiebung und Menschenrecht

( aktualisiert Januar 2009 )

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Gedicht und Bild 13./14. Mai 2000,
'Smileys machen Licht' 13.2.2000

Zusatzkommentar Januar 2009

 
 
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