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Virtueller Haussegen
begonnen am 6.Januar 2002

 
 
Der 6.Januar trägt in der christlichen Tradition den Namen 'Heilige Drei Könige'. Man nennt den Tag auch 'Epiphanias', 'Die Erscheinung des Herrn'.

Einem alten Brauch folgend wird am 6.Januar das Haus oder vielmehr seine Schwelle gesegnet, indem man diese Schrift meist oberhalb der Türe am Rahmen mit Kreide anbringt.

+ C + M + B +

steht dabei, einer Lesart zufolge, für den Segensspruch 'Christus mansionem benedicat'. --- 'Christus segne dieses Haus'.

Einer anderen Lesart zufolge stehen die Buchstaben für die 'Drei Weisen aus dem Morgenland', Caspar, Melchior und Balthasar, die laut der Weihnachtsgeschichte die Geburt von Jesus Christus voraussahen und nach ihm suchten. Aus diesen drei Wanderern entwickelte sich der auch heute noch geübte Brauch der Sternsinger, die an diesem Tag herumwandern und den Haussegen spenden, heute aber leider oftmals nur noch unterwegs sind, um für ihr Kommen Süßigkeiten einzusammeln, und gar nicht schnell genug wieder weiterziehen können. --- Zeit ist süß? --- Zeit ist Geld? --- Geld ist süß? --- Aber vielleicht ändert sich das ja wieder.

Meine Mutter erzählte mir, daß es in ihrer Kindheit (im Böhmerwald in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts) üblich war, daß der Haus- oder Familienvorstand (meist der Vater, sofern er nicht im ersten Weltkrieg gefallen oder sonstwie abhanden gekommen war), den Segen sowohl am Haus als auch an den Stallungen des Viehs anbrachte und dabei die Buchstabenfolge

+ K + M + B +

verwendete. Man assoziierte das wohl auch eher mit den Drei Weisen, aber allein das verwendete 'K' muß kein Beleg für die Richtigkeit dieser Auslegung sein, denn es gibt für 'Christus' ja auch die Schreibweise 'Kristos'.

Man schreibt meist noch die Jahreszahl dazu, für 2010 also

20 + C + M + B + 10

was man so deuten könnte, daß ein Segen immer in der Mitte der Dinge ist, wie eine Achse, um die sich die Dinge drehen. Wie eine Achse, die dafür sorgt, daß die Dinge drehbar und beweglich bleiben..

Und die Dinge, die Tage, die Nächte, die Hoffnungen, die vielen Wünsche für das neue Jahr, das dumme Gesicht, das man manchmal macht, wenn Wünsche nicht erfüllt werden (oder das noch dümmere, wenn sie erfüllt werden), das Suchen und Finden von Pfaden durch das Jahr, das Suchen und Finden von Sinn und Einsicht und Liebe --- all das ist außen herum, als umhüllte es eine unsichtbare Mitte, die man manchmal spüren kann --- und die man manchmal trotzdem vergißt --- und die trotzdem da ist, ob man nun einen Segen an der Tür hat oder nicht. Vielleicht ist so ein hingeschriebener Segen ja auch nur dazu da, einen ab und zu daran zu erinnern. Wie ein Knoten im Taschentuch.

Hinschauen muß man aber selber.

Wie auch immer, ich dachte mir, daß es vielleicht schön wäre, so einen Brauch auch im Internet zu praktizieren. Denn auch eine Website ist ja in gewisser Weise ein 'Haus'. Oder ein Rastplatz, eine kleine Stallung für seltsame, weltweit wandernde Geschöpfe.

Dafür habe ich das obige Logo entworfen. Wem die Idee gefällt, der kann es mitnehmen und auf seine Website stellen. Ein Link hierher und ein Mail wäre nett, aber nicht Bedingung. Vielleicht entsteht ja irgendwann daraus ein Webring.

 

 
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